Absarokee
Geschrieben von Menominee am Dezember 17 2011 22:12:56

Absarokee


Die Absarokee (Kinder des langschnabeligen Vogels; auch Krähen-Indianer, Crow oder Absaroka), sind ein Indianer-Stamm im US-Bundesstaat Montana. Der Name „Ap-sa-ru-ke“ oder auch „Ap-sa-ro-ke“ bezeichnete ursprünglich in ihrer Sprache einen krähenähnlichen Vogel, der längst ausgestorben war, als sie das erste Mal mit weißen Pelztierjägern in Berührung kamen. Offiziell nennt sich der Stamm der Absarokee heute Crow Nation.

Die Sprache der Absarokee ähnelt derjenigen der Hidatsa und gehört zur Sioux-Sprachfamilie. Die Absarokee unterteilen sich in die vier Gruppen Berg-Absarokee, Fluss-Absarokee, Tal-Absarokee und Kicked in the Bellies (In ihre Bäuche getreten).


Herkunft

Linguistische Ähnlichkeiten mit den Hidatsa sowie mündliche Überlieferungen lassen vermuten, dass sich die Absarokee von diesen abgespalten haben, vermutlich nach einem Disput zweier Häuptlinge. Linguisten datieren die Abspaltung etwa auf das 16. Jahrhundert; Historiker eher auf das 17. oder 18. Jahrhundert.

Im 18. Jahrhundert wanderten die Absarokee aus dem nordöstlichen Waldland in die Plains ein. Sie ließen sich im Einzugsgebiet des Yellowstone Rivers, vor allem beim Powder, Wind und Big Horn River nieder; die Berg-Absarokee teilweise auch in den nahen höher gelegenen Gebieten in den heutigen US-Bundesstaaten Montana und Wyoming sowie in Kanada. 1804 stießen die Mitglieder der Lewis-und-Clark-Expedition beim Yellowstone-River als erste Weiße auf die Absarokee.

Lebten die Absarokee im nordöstlichen Waldland noch als sesshafte Ackerbauern, nahmen sie im Westen sehr schnell die Lebensweise nomadischer Jäger und Sammler an.


Kontakt mit den Weißen

Gruppe der Absarokee, 1880

Etwa um 1730 kamen die Absarokee zu ihren ersten Pferden, nachdem die spanischen Konquistadoren Pferde aus Europa nach Nordamerika eingeführt hatten. Wahrscheinlich erhandelten die Absarokee diese Pferde von den Comanchen, den Nez Percé und den Östlichen Shoshone. Die Einführung der Pferde veränderte das Kräfteverhältnis in den Plains. Die Absarokee verdrängten die Östlichen Shoshone aus der Gegend des Yellowstone Rivers und sicherten sich so gute Weideplätze für ihre Pferde. In der Folge jagten sie die Bisons weitaus erfolgreicher.

In den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts teilten sich die Absarokee in die zwei Gruppen Berg-Absarokee und Fluss-Absarokee. Die Absarokee selbst bezeichnen die Fluss-Absarokee als Black Lodges (Schwarze Hütten) und die Berg-Absarokee als Many Lodges (Viele Hütten).

Etwa zur selben Zeit drangen immer mehr weiße Siedler in den Westen der USA. Sie brachten weitere Veränderungen ins Leben der Absarokee, die sich eine gute Position als Handelspartner der Weißen sicherten. Die Absarokee galten als ungemütliche und kluge Händler, von denen keine großen Gewinne zu erwarten waren. Sie ließen sich auch nicht durch Alkohol beeinflussen, wie das sonst bei vielen Indianern der Fall war. Mehr als die benachbarten Stämme fingen die Absarokee Biber, deren Felle sie den Weißen zum Tausch anboten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichteten Manuel Lisa und andere Weiße die ersten Handelsposten im Gebiet des Yellowstone Rivers. Die Absarokee nahmen eine Art Schutzfunktion vor den ständigen Angriffen der Blackfoot und Gros Ventre ein.

Bei einem Treffen mit US-General Henry Atkinson schlossen 15 Häuptlinge der Berg-Absarokee um Long Hair 1825 einen Vertrag mit den Weißen, in dem sie sich gegenseitige Freundschaft zusicherten. Die Fluss-Absarokee, vertreten durch Rotten Belly, weigerten sich, den Vertrag zu unterzeichnen. 1834 waren es wieder die Fluss-Absarokee um Rotten Belly, die Fort McKenzie am Missouri River belagerten. Sie wurden von einer Gruppe Blackfoot-Kriegern vertrieben, die sowohl den Absarokee als auch den Weißen feindlich gegenüber standen. Hierbei verlor Rotten Belly sein Leben.

Um 1850 wurden aus den zwei Gruppen deren drei. Ein Teil der Berg-Absarokee spaltete sich als Kicked in the Bellies ab. Zur Jagd im Frühling und Sommer schlossen sich sämtliche Gruppen üblicherweise zusammen.

Stammesgebiet der Absarokee1851 unterzeichneten die Absarokee zusammen mit den Lakota, Yankton, Arapaho, Cheyenne, Östlichen Shoshone, Assiniboine, Arikara, Mandan und Hidatsa, insgesamt rund 10.000 Indianer, den Vertrag von Fort Laramie, welcher die Stammesgrenzen neu definierte und Frieden mit den Weißen und den mitunterzeichnenden Stämmen zusicherte. Das Land der Absarokee beschränkte sich nun auf 143.787 km². Dafür erhielten die Absarokee künftig jährliche Geschenke von den Weißen. Viele junge Krieger ließen sich nicht kontrollieren und lieferten den Östlichen Shoshone, Nez Percé und Flathead mitunter Scharmützel.

1859 schlugen die Absarokee die vordringenden Lakota, Arapaho und Cheyenne zurück. Zwei Jahre später zerbrach die langjährige Allianz der Blackfoot mit den Gros Ventre. Die Absarokee nutzten dies, um sich mit den Gros Ventre gegen die Piegan zu verbünden. 1866 unterlagen sie den Piegan in der Schlacht bei den Cypress Hills.

Von allen Seiten bedrängt, suchten die Absarokee vermehrt die Gunst der Weißen, die sich mit den meisten benachbarten Stämmen im Krieg befanden. Die Absarokee hofften so, einer unvermeidlichen Niederlage zu entgehen und in Frieden mit den Weißen leben zu können. Bald erregten die guten Pferde, Waffen und weiteren Güter, die sie sich von den Weißen erhandelt hatten, den Neid der feindlichen Stämme und ihre Nähe zu den Weißen brachte ihnen den Hass Vieler ein. Ihre Unterstützung für die weißen Siedler ging so weit, dass der Gouverneur von Montana die Bundesregierung um Bewaffnung des Stammes mit Feuerwaffen bat, da sie ein größeres Abschreckungspotenzial als alle im Territorium befindlichen Forts der Armee hatten.

Bei aller Freundschaft zu den Weißen galt es bei den Absarokee als beliebter Sport, indianische wie auch weiße Reisende auszurauben. Die Absarokee waren als hervorragende Diebe berüchtigt.


Leben in der Agentur

US-General William T. Sherman in Verhandlung mit Indianern bei Fort Laramie1868 traten die Absarokee den Weißen mit einem zweiten Vertrag von Fort Laramie über 100.000 km² Land ab; ihnen blieben noch 32.376 km². Die Weißen verpflichteten sich, eine Agentur mit Schulen und anderen Dienstleistungen zu errichten. Außerdem erhielten die Absarokee Essensrationen und Kleider. Und sie wurden gebeten, künftig als Farmer zu leben.

Viele Krieger der Absarokee ließen sich von der US-Armee als Scouts gegen die Indianerstämme verpflichten, die sich gegen die drohende Niederlage gegen die Weißen wehrten. Besonders bekannt wurden die Absarokee-Scouts, die unter Colonel George A. Custer in der Schlacht am Little Bighorn River von den Lakota, Cheyenne und Arapaho vernichtet wurden: White Man Runs Him, Curley, Hairy Moccasin und Goes Ahead.

Durch weitere Landabtretungen schmolz ihre Reservation bis 1905 auf 10.117 km². 1883 wurde die Crow-Agency, die Agentur der Absarokee, offiziell gegründet.

Die Stammes-Verfassung von 1948 sprach dem Stammesrat (General Council oder Tribal Council) die exekutive, legislative und judikative Macht zu. Der Stammesrat wurde durch sämtliche eingetragene Mitglieder des Stammes gebildet, die mindestens 18 Jahre (Frauen) resp. 21 Jahre (Männer) alt waren. Die Regierungsform war eine direkte Demokratie nach Vorbild derjenigen der alten Griechen.

An einer letzten Ratssitzung vom 15. Juli 2001 ersetzten die Absarokee (Crow Nation) ihre Verfassung durch ein System der Gewaltentrennung. Die Exekutive wurde durch vier Personen gebildet, den Vorsitzenden (Chairman), den stellvertretenden Vorsitzenden (Vice-Chairman), den Sekretär (Secretary) und den stellvertretenden Sekretär (Vice-Secretary). Je drei Vertreter der sechs Distrikte der Reservation (The Valley of the Chiefs, Reno, Black Lodge, Mighty Few, Big Horn und Pryor Districts) machten die Legislative aus. Die judikative Gewalt liegt beim Präsidenten des obersten Gerichtshofes der Crow Nation (Chief Justice). Gegenwärtig hat dieses Amt Angela Russell inne.


Vorsitzende der Crow Nation

2002-2008: Carl Venne
2000-2002: Clifford Birdin Ground
1990-2000: Clara Nomee
1986-1990: Richard Real Bird
1982-1986: Donald Stewart
1977-1982: Forest Horn
1974-1977: Patrick Stands Over Bull
1972-1974: David Stewart
1966-1972: Edison Real Bird
1964-1966: John Wilson
1960-1964: John Cummings
1956-1960: Edward „Posie“ Whiteman
1954-1956: William Wall
1946-1954: Robert „Robbie“ Yellowtail
1941-1946: Henry Pretty On Top
1938-1941: Charles Yarlott
1934-1938: Hartford Bear Claw
1927-1934: William Bends
1921-1927: James Carpenter
1920-1921: Ralph Saco (Gets Down Often)


Demografie

Um 1780 dürften etwa 4.000 Absarokee gelebt haben. Die Entdecker Lewis und Clark schätzten ihre Zahl im Jahre 1804 auf 3.500, die in etwa 350 Hütten gelebt hatten. In den folgenden Jahren blieb die Zahl der Absarokee ziemlich konstant; für 1833 wurde sie auf 3.250-3.560 geschätzt. Bis 1890 sank sie aber auf 2.287 und bis 1904 auf 1.826. Ungefähr 1930 dürfte sie mit 1.674 ihren Tiefpunkt erreicht haben. Seither steigt sie kontinuierlich. Der US-Census 2000 zählte 13.394 eingeschriebene Stammesmitglieder der Absarokee.

Traditionelle Kultur

Nachfolgend wird die Kultur der Absarokee beschrieben, so wie sie sich bis zur Aufgabe der Selbstbestimmung und dem Einzug in die Reservation präsentiert hat. Ab diesem Zeitpunkt glich sie sich nach und nach der Kultur der europäischen Einwanderer an.

Kulturell sind die Absaorkee dem Kulturareal der Plains zuzurechnen, allerdings mit Einfluss der Stämme des Großen Beckens und des Plateaus.


Nahrungserwerb

Der Bison war die wichtigste Nahrungsquelle für die Absarokee. Ergänzend jagten sie Wapitis, Hirsche, Gabelböcke, Bergschafe und Bären. Die Absarokee kannten eine klare Arbeitsteilung: Die Männer waren für das Erlegen der Tiere zuständig, die Frauen für die Verarbeitung des Fleisches, das Trocknen und Zubereiten von Pemmikan. Zusätzlich sammelten die Frauen Beeren und gruben nach essbaren Wurzeln.

Materielle Kultur

Essgeschirr stellten die Absarokee aus Hörnern von Bergschafen oder Bisons her, zuweilen auch aus Bison-Schulterblättern. Bisonbäuche dienten als Wasserbehälter.

Zur Jagd verwendeten sie Pfeil und Bogen. Die Bogen erschufen sie aus Zedern-, Eschen- oder Hickoryholz, Wapiti- oder Bergschaf-Hörnern und aus Nacken- oder Schultersehnen von Bisons; die Pfeile aus Stein und Horn und die Köcher aus Otter-, Bisonkalb- oder Bergschaf-Fellen.

Die Frauen nähten etwa 20 Bisonfelle aneinander, stülpten sie über 14 bis 30 rund angeordnete Pinien-Pfähle und stellten so Tipis her, die auch ihnen gehörten. Die Tipis waren meist reich verziert und dekoriert. Sie wurden von 8 bis 16 Personen bewohnt.

Die Absarokee fertigten sich Kleider aus gegerbten Tierhäuten an. Während die Frauen immer lange Röcke trugen, beschränkten sich die Männer im Sommer auf Lendenschurz und Mokassins. Beide Geschlechter verwendeten für Zeremonien und feierliche Anlässe spezielle Festkleider, die sie mit Federn, Samen, Stachelschweinborsten und Muscheln verziert hatten. Hingegen pflegten die Absarokee ihre Kleider nicht zu bemalen. Frauen wie Männer trugen ihre langen Haare offen, in der Mitte gescheitelt. Sie kämmten sich mit dem Schwanz eines Stachelschweines.

Trotz der eher farblosen Kleider wurden die Absarokee von den frühen europäischen Siedlern als sehr schöne, große Indianer, möglicherweise die schönsten nordamerikanischen Indianer überhaupt beschrieben.

Nach der Einführung des Pferdes entwickelten sich die Absarokee zu ausgezeichneten Reitern. Rasch schufen sie neue Kulturgüter wie Sattel und Zaumzeug. Sie verzierten ihre Pferde ebenso wie sich selbst. Die nomadischen Absarokee benötigten etwa fünf Pferde, um ihren Haushalt zu transportieren. Der Transport erfolgte mit einem Travois, einer Schleifbahre. Auf die selbe Weise hatten früher Hunde Hab und Gut ziehen müssen.


Soziale Organisation

Die Absarokee waren sowohl territorial wie auch funktional organisiert. Territorial lebten sie in matrilinearen Klans und Gruppen, funktional kannten sie militärische, religiöse und medizinische Gruppierungen. Es existierten jedoch keine sozialen Klassen.

Die Anzahl der Klans variierte. Während des 19. Jahrhundert zählten sie 12-13 Klans, wobei die Berg- und die Fluss-Absarokee die selben Klans kannten. Diejenigen der Kicked in the bellies wichen leicht ab. Jeweils zwei oder drei Klans gehörten einer Phratrie an, führten sich also auf gemeinsame mythische Ahnen zurück, und schlossen sich zur Jagd, zu Festen und zur gegenseitigen Unterstützung zusammen. Jedem Klan stand ein eigener Häuptling vor, der Klan-Vater, dem weitere beratende Häuptlinge zur Seite standen. Die Häuptlinge koordinierten die Jagd, kriegerische Unterfangen, Zeremonien und mussten für Recht und Ordnung innerhalb des Klans sorgen.

Die Absarokee kannten unmittelbar vor der Reservationszeit vier Krieger-Bünde: Lumpwoods, Füchse, Schlammige Hände und Große Hunde. Früher hatte es weitere Krieger-Bünde gegeben. Die Krieger-Bünde agierten als Polizei innerhalb der Camps, schlichteten Streitigkeiten und organisierten zusammen mit den Häuptlingen die Jagd und die Umzüge von einem Camp ins nächste.

Von bedeutendem Einfluss waren die Elders, die Ältesten. Ihr Rat und ihre Erfahrung hatten großes Gewicht bei den wichtigsten Entscheidungen.


Lebenszyklus

Toten-Gestell der Absarokee

Nach zwei Tagen wurden die Neugeborenen an den Ohren gepierced, nach zwei weiteren Tagen wurden sie unter den Schutz der Medizin eines Mannes des selben Klans gestellt und erhielten einen Namen.

Die Kindheit verbrachten die Absarokee mit Spielen, wobei oft das Leben der Erwachsenen nachgeahmt wurde.

Knaben lernten, wie sie ihre Haare zu Zöpfen flechten und ihr Haupthaar hochkämmen konnten. Im Alter von vierzehn bis sechzehn Jahren durften sie erstmals auf einen Kriegszug mitgehen. Gleichzeitig versuchten sie, in einen Krieger-Bund des Stammes aufgenommen zu werden.

Mädchen erlernten die Pflichten der Frauen und erfuhren, wie sie ungewünschte Kinder abtreiben konnten. Ein Jüngling musste der Familie der zukünftigen Frau Pferde geben. Nur exogame Heiraten waren zulässig. Starb eine Frau kurz nach der Heirat, wurde dem Witwer nach Möglichkeit eine Schwester als Ersatz angeboten. Verschwägerte Personen tauschten rege Geschenke aus, um die Familienbande zu stärken. Die Beziehung eines Mannes mit seiner Schwiegermutter war strengen Tabus verpflichtet. Seinem Schwiegervater musste er großen Respekt erweisen. Beide Geschlechter konnten sich scheiden lassen.

Im Alter setzten sich die Männer oft zusammen, rauchten Pfeife und tauschten sich aus, wobei sie oft und gerne lachten.

Starb ein Stammesmitglied, zog man ihm seine besten Kleider an, bemalte es und hüllte es in eine Tipiplane. Einen verstorbenen Häuptling betteten sie auf ein Gerüst in einem Tipi. Tötete ein Feind einen Absarokee, trauerte das ganze Camp. Verwandte hackten sich teilweise eine Fingerbeere ab oder schnitten ihre Haare kurz.


Mythologie

Die Mythologie der Absarokee ähnelt sehr stark derjenigen der Hidatsa und, weniger stark, derjenigen der Arapaho und Assiniboine. Gemäß ihrer Mythologie war die Erde von Alter Mann, der teilweise als Sonne und teilweise als Alter Mann Kojote identifiziert wird, geformt worden. Dazu hatte er den Schlamm verwendet, den die Bindentaucher aus den Tiefen des Ur-Meeres heraufgeholt hatten. Nachdem Alter Mann die Erde erschaffen hatte, blies er trockene Erde von seiner Hand und schuff so Erste Frau, Erster Mann und eine Schar Krähen. Alter Mann erklärte den Menschen, wie sie leben sollten und gab ihnen den Namen Absarokee, Krähen. Er platzierte sie im Gebiet des Yellowstone-Rivers, inmitten von Feinden, die sie bekämpfen mussten. Nun fällte Alter Mann einen Baum und Weißer Mann tauchte wie eine Maus aus einem Loch auf. Er erzählte den Absarokee, dass sie nicht gegen die Weißen kämpfen sollten, die ihnen beibringen würden, wie sie Eisen herstellen konnten.

Religion und Krankenheilung

Tanz der Absarokee in Festkleidung, Crow Agency, Montana 1941Die Absarokee verehrten die Sonne als höchstes geistiges Wesen. In ihren Gebeten sprachen sie sie als Vater an. Weitere Gebete richteten sie an Erster Macher, Alter Mann Kojote, Derjenige Oben, Morgenstern, Bison, Donnervogel, Adler und Zwerge.

Jeder Absarokee-Krieger wollte gute Medizin, geistige Macht, um Erfolg zu haben. Diese versuchte er in einer Vision zu erlangen, die er mit konsequentem Fasten in der Einsamkeit heraufbeschwor. Oder er opferte einen Teil seines Fingers oder einen Streifen Fleisch, um ein Geistwesen zu überzeugen, ihn als Sohn zu adoptieren und ihm das Recht für ein Medizin-Lied, eine Körper-Bemalung oder Gegenstände zu geben, die er in einem Medizinbeutel sammeln konnte. All dies sollte ihm zu einem langen Leben, genügend zu essen und Macht über die Feinde verhelfen.

Hatte ein Absarokee keine eigene Medizin, konnte er diese bis zu vier Mal von seinem Klan-Vater ausleihen. Im Gegenzug musste der Bittsteller dem Klan-Vater Pferde, Fleisch oder andere Ware schenken, zuweilen auch seine Frau ausleihen.

Die Absarokee waren in verschiedenen religiösen Bünden organisiert, der weitaus bekannteste ist der Tabak-Bund. Jeder Bund hatte seine eigenen Zeremonien, Lieder und Tänze, mit denen sie die Geistwesen gut stimmen und deren Macht erlangen wollten. Die meisten Zeremonien hielten die Absarokee im Frühling und im Herbst ab. Im Sommer unterzogen sich viele Krieger dem Sonnentanz.

War jemand krank, so hatte er, gemäß dem Glauben der Absarokee, den Unmut der Geistwesen erregt, indem er zum Beispiel ein Tabu nicht befolgt hatte. Zur Heilung wurde ein Medizinmann beigezogen, der sich mit der geistigen Welt und der Natur am besten auskannte.


Kultur während der Reservationszeit

Mit der Errichtung der Crow-Agentur im Jahre 1883 endete die Selbstbestimmung der Absarokee. Es wurde ihnen zum Beispiel verboten, Kriegstänze und Sonnentänze abzuhalten. Die Jagd innerhalb der Reservation bedurfte einer speziellen Erlaubnis. Eine Indianer-Polizei musste Sünder vor ein neu geschaffenes Gericht bringen. In der frühen Reservationszeit brachen junge Männer des öftern aus und überfielen insbesondere die Piegan.

1887 wurde das bisher gemeinschaftliche Reservationsland mit dem Dawes Act parzelliert und auf die einzelnen Familien aufgeteilt. Damit sollten die Absarokee vermehrt für die Landwirtschaft motiviert werden.

Bis 1907 errichteten die römisch-katholische Kirche und die baptistische Kirche verschiedene Missionsschulen in der Reservation. Die Missionen wollten die Absarokee so rasch als möglich in die Kultur der Weißen integrieren und die indianische Kultur vernichten. Dazu betrieben sie Internate, in die alle Kinder ab fünf Jahren gehen mussten. Die Internate wurden 1929 abgeschafft.

Die bedeutendsten Änderungen betrafen die Technologie. Die Frauen waren davon weniger betroffen als die Männer; ihre Fertigkeiten der Nahrungszubereitung, der Herstellung von Kleidern und weiterer Handwerke blieben weitestgehend erhalten. Die soziale Organisation und religiöse Praktiken änderten sich ebenfalls nur zögerlich. Der Tabak-Bund beispielsweise spielt nach wie vor eine zentrale Rolle im Leben der Absarokee. Sie übernahmen nicht nur vermehrt kulturelle Elemente der Weißen, sondern auch von anderen Indianerstämmen, so 1910 den Peyote-Kult von den Nördlichen Cheyenne und 1910 den Sonnentanz der Östlichen Shoshone. Hingegen wurden sie nur am Rande von der Geistertanz-Bewegung erfasst.

In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts gaben sie formal die Matrilinearität auf und übernahmen statt dessen englische Nachnamen.

1948 führten die Absarokee ein neues Regierungssystem ein, das sich stärker am amerikanischen orientierte. Frauen waren ab 18 Jahren wahlberechtigt und Männer ab 21 Jahren. 1990 wurde die Wahlberechtigung auch bei den Männern auf 18 gesenkt.

Die kriegerische Tradition setzten viele Absarokee in der aktiven Teilnahme des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie in den Kriegen in Korea und Vietnam fort.

Seit 1970 werden die kulturellen Regeln der Absarokee immer mehr verwässert. Die Klan-Exogamie wird nicht mehr strikte eingehalten; der rege Geschenkaustausch bei Hochzeiten hält aber noch immer an. Der traditionelle Glaube war trotz der intensiven christlichen Missionierung nicht gänzlich zerstört worden. Um 1980 waren 40-50% der Absarokee Mitglied der Native American Church. 1980 errichteten die Absarokee mit Hilfe der Montana State University in Bozeman ein eigenes College, das Little Big Horn College. Wesentlich dabei ist der zweisprachige Unterricht in Absarokee und Englisch.

Die umfassenden Landabtretungen im 19. Jahrhundert gegen sehr geringe Entschädigungen ließen die Absarokee verschiedentlich vor Gericht gehen. 1962 wurden ihnen nachträglich über 10 Millionen US-Dollar zugesprochen. 1981 entschied das Oberste Gericht der USA, dass die Absarokee das Flussbett des Bighorn Rivers besitzen.


Zeitgenössisches Leben

Absarokee-Häftlinge, Crow-Agency, Montana, 1887Besonders in den 1930er Jahren zogen viele Absarokee in die Städte. 1990 lebte noch ein Drittel in der Crow-Reservation bei der Stadt Billings im US-Bundesstaat Montana, wovon die meisten Pferde- und Viehzucht betrieben und einige vom Ackerbau lebten. Die Reservation umfasst 9235 km² (1998), etwa 50 % werden parzelliert von Absarokee und 20 % gemeinschaftlich vom Stamm verwaltet. 30 % gehören dem Bundesstaat Montana oder weißen Grundeigentümern. Das meiste Land wird landwirtschaftlich genutzt; im Gegensatz zu den meisten Indianer-Stämmen konnten die Absarokee auch fruchtbares Land behalten. Das vom Stamm verwaltete Land war 1997 an 765 weiße und 74 Absarokee-Farmer verpachtet.

Die Sprache der Absarokee wurde 1990 noch von etwa 4.000 der 10.000 eingeschriebenen Stammesangehörigen gesprochen, vorwiegend von älteren Personen. Meist besteht Zweisprachigkeit mit Englisch.

Das Klansystem ist recht gut erhalten; viele Absarokee orientieren sich nach wie vor am traditionellen Verwandtschaftsmuster. Die erweiterte Familie nimmt einen wichtigen Stellenwert ein. Auch weitere kulturelle Elemente wie der Sonnentanz, der Tabak-Bund oder traditionelle Tänze werden gepflegt und konnten wieder an Bedeutung zulegen. Neue Elemente wie Basketball, Rodeo, Powwows und neue Tänze kamen hinzu.

Obwohl die Absarokee innerhalb der Reservation in den Genuss kostenloser Gesundheitsversorgung kommen, ist die gesundheitliche Lage verglichen mit der Situation in den ganzen USA schlecht. Viele Absarokee leiden an Diabetes oder Krebs. Joseph Medicine Crow, Doktor der Anthropologie und Häuptling der Absarokee, schätzt die Lebenserwartung innerhalb der Reservation auf 50 Jahre.


Bedeutung

Die Absarokee gehörten im 19. Jahrhundert nach den Lakota und den Blackfoot zu den bedeutendsten Indianerstämmen der nordwestlichen Plains. Sie hielten sich strikt an den 1825 mit den Weißen geschlossenen Freundschaftsvertrag und unterstützten sie auch im Kampf gegen die übrigen Plains-Stämme. Die meisten Plains-Stämme betrachten die Absarokee deshalb noch heute als Verräter.

Nach den Absarokee wurde ein Dorf im US-Bundesstaat Montana benannt, siehe Absarokee (Montana). In der Form Absaraka existiert ein Dorf in North Dakota und Absaroka heißt ein Gebirgszug und ein Wald im Yellowstone-Nationalpark.


(Birgit Miron)